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Gebietsplanung · Vertriebsgebiete

Vertriebsgebiete optimieren: bestehende Gebiete fair ausgleichen

Ein Gebiet ist überlastet, im Nachbargebiet bleibt Zeit übrig, und im nächsten Jahr geht jemand aus dem Team in den Ruhestand. Dann müssen Sie Ihre Gebiete nicht neu erfinden, sondern gezielt ausgleichen. Diese Seite zeigt, wie Sie den Ist-Zustand bewerten, Szenarien vergleichen und wichtige Kundenbeziehungen dabei schützen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Gebiete veralten schleichend: Wachstum, Personalwechsel, Fusionen und veränderte Märkte verschieben Arbeit und Chancen.
  • Am Anfang steht eine Diagnose mit Kennzahlen je Gebiet, darunter die Arbeitslast, also die Zeit für Besuche und Fahrten pro Jahr.
  • Drei bis vier deutlich verschiedene Szenarien reichen für eine gute Entscheidung.
  • Wichtige Kunden lassen sich sperren, damit gewachsene Beziehungen erhalten bleiben, während der Rest ausgeglichen wird.
  • Ein Optimierungsalgorithmus liefert einen Vorschlag, den Sie mit dem Außendienst feinjustieren.

Woran Sie erkennen, dass Ihre Gebiete nicht mehr passen

Gebiete werden selten auf einen Schlag schlecht, sie verschieben sich mit jedem neuen Kunden, jedem Personalwechsel und jeder Ausnahme ein Stück. Diese Warnsignale deuten darauf hin, dass ein Ausgleich fällig ist:

  • Ungleichgewicht: Einige Gebietsverantwortliche schaffen ihre Besuche nicht, andere haben Luft. Orte an den Grenzen werden doppelt oder gar nicht betreut.
  • Wachstum: Mehr Kunden oder höhere Ziele passen nicht mehr in die bisherige Zahl an Gebieten.
  • Kündigung oder Ruhestand: Ein Gebiet wird frei und muss aufgeteilt oder neu besetzt werden.
  • Fusion oder Zukauf: Zwei Außendienste mit überlappenden Gebieten sollen zusammenwachsen.
  • Neue Produkte: Ein beratungsintensives Sortiment braucht mehr Zeit je Besuch.
  • Veränderte Märkte: Kunden, Nachfrage und Wettbewerb verteilen sich anders als bei der letzten Planung.

Laut der GfK-Studie zur Gebietsplanung (152 Befragte, veröffentlicht 2017) planen drei Viertel der Unternehmen nur bei Bedarf neu. Dann ist der Umbau oft groß und mühsam. Wer jedes Jahr prüft, kommt meist mit kleineren Korrekturen aus.

Diagnose: den Ist-Zustand mit Kennzahlen bewerten

Bevor Sie eine Grenze verschieben, brauchen Sie ein ehrliches Bild Ihrer heutigen Gebiete. Für die Ist-Bewertung haben sich diese Kennzahlen je Gebiet bewährt:

Kennzahl Was sie zeigt
Kundenzahl nach ABC-Klasse wie viel Betreuung das Gebiet braucht, getrennt nach Kundenwert
Umsatz und Deckungsbeitrag was das Gebiet heute bringt
Marktpotenzial und Ausschöpfung was das Gebiet bringen könnte
Arbeitslast und Auslastung Zeit für Besuche und Fahrten im Verhältnis zur verfügbaren Zeit
Fahrzeitanteil und Kilometer je Besuch wie kompakt das Gebiet geschnitten ist

Legen Sie die Werte auf die Karte. Ausreißer fallen dort sofort auf, etwa ein Gebiet mit hoher Arbeitslast und wenig Potenzial. Fragen Sie auch, was passiert, wenn alles bleibt, wie es ist. Ergänzen Sie die Zahlen um die Einschätzung der Gebietsverantwortlichen: Sie wissen, wo ein Kunde mehr Zeit braucht, als die Daten zeigen, oder wo eine Grenze im Alltag stört. Zeigen Sie dieses Zwischenergebnis früh der Vertriebsleitung und dem Außendienst: Wer die Ausgangsdaten mitgetragen hat, stellt sie später nicht infrage. Wie Sie die Kennzahlen gewichten, steht unter Kriterien für ausgewogene Gebiete, wie Sie das Potenzial bestimmen, unter Marktpotenzial je Gebiet ermitteln.

Rechenbeispiel: ungleich verteilte Arbeitslast

Ein Rechenbeispiel zeigt, warum die Zahl der Besuche allein wenig über die Belastung sagt. Angenommen sind vier Gebiete mit je 200 Außendiensttagen zu 8 Stunden, also 1.600 Stunden pro Jahr für Besuche und Fahrten. Ein Besuch dauert im Schnitt 45 Minuten, die Fahrzeit je Besuch hängt vom Gebiet ab. Die Ausgangslage:

Gebiet Besuche pro Jahr Fahrzeit je Besuch Besuchszeit Fahrzeit Arbeitslast Auslastung
Nord (ländlich) 1.000 60 min 750 h 1.000 h 1.750 h 109 %
Ost (städtisch) 1.200 20 min 900 h 400 h 1.300 h 81 %
Süd 1.400 30 min 1.050 h 700 h 1.750 h 109 %
West 960 30 min 720 h 480 h 1.200 h 75 %
Summe 4.560 3.420 h 2.580 h 6.000 h 94 %

Nord hat die wenigsten Besuche und trotzdem die höchste Last, weil jeder Besuch eine Stunde Fahrt kostet. Zwischen Nord und West liegen 550 Stunden im Jahr, fast 69 Arbeitstage. Insgesamt passt die Arbeit aber zum Team: 6.000 Stunden Bedarf stehen 6.400 Stunden Kapazität gegenüber. Das Problem ist die Verteilung, nicht die Teamgröße. Verschiebt man an den Grenzen Kunden, ergibt sich dieses Bild:

Gebiet vorher Veränderung nachher Auslastung
Nord 1.750 h −200 h an Ost, −50 h an West 1.500 h 94 %
Ost 1.300 h +200 h von Nord 1.500 h 94 %
Süd 1.750 h −250 h an West 1.500 h 94 %
West 1.200 h +50 h von Nord, +250 h von Süd 1.500 h 94 %

Die Rechnung unterstellt, dass verschobene Kunden im neuen Gebiet gleich viel Zeit brauchen wie im alten. In Wirklichkeit ändern sich die Fahrwege, deshalb rechnet eine Software nach jeder Verschiebung neu. Aufs Stück genau wird es nie, weil Wohnorte, Top-Kunden und zusammenhängende Flächen Grenzen setzen. Legen Sie vorher fest, welche Abweichung vom Mittelwert Sie akzeptieren.

Szenarien: drei bis vier reichen

Vergleichen Sie wenige, deutlich verschiedene Szenarien statt vieler ähnlicher Varianten. Die GfK rät in ihrer Broschüre von 2013, höchstens drei bis vier gleichzeitig zu betrachten. Ein sinnvolles Set:

  1. Grüne Wiese: eine rein datengetriebene Lösung ohne Rücksicht auf heutige Grenzen. Sie zeigt, wie viel Ausgleich überhaupt möglich ist.
  2. Behutsamer Ausgleich: Die heutigen Gebiete bleiben im Kern bestehen, verschoben wird nur an den Grenzen, Top-Kunden bleiben gesperrt.
  3. Ein Gebiet mehr oder weniger: Was ändert sich, wenn Sie zwei Gebiete zusammenlegen oder ein neues schaffen?
  4. Andere Gewichtung: etwa Potenzial statt Arbeitslast als Hauptkriterium.

Bewerten Sie jedes Szenario mit denselben Kennzahlen wie in der Diagnose. Ergänzen Sie eine Zahl, die oft vergessen wird: wie viele Kunden eine neue Ansprechperson bekommen.

Tip

Rechnen Sie die grüne Wiese auch dann, wenn Sie sie nie umsetzen wollen. Der Abstand zu Ihrem Favoriten zeigt, was Ihre Tabus kosten.

Ausgleich oder Stabilität bei Bestandskunden

Jede Optimierung steht vor demselben Zielkonflikt: Ausgeglichene Gebiete verlangen Bewegung, gewachsene Kundenbeziehungen verlangen Ruhe. Persönliche Beziehungen gelten im Vertrieb oft als unantastbar. Die GfK hält das Risiko eines Betreuungswechsels nach ihrer Erfahrung (Broschüre 2013) meist für etwa so groß wie die Chance, die darin liegt, etwa durch einen frischen Blick auf den Kunden.

Der praktische Ausweg ist eine Zweiteilung. In einem von der GfK veröffentlichten Projektbeispiel wurden die 100 wichtigsten Kunden gesondert betrachtet, alle übrigen wurden nach Erreichbarkeit und Arbeitslast zugeordnet. In der Software sperren Sie dazu einzelne Kunden oder Flächen, sodass weder Sie noch der Algorithmus sie verschieben. Ähnlich behandeln Sie die Wohnorte Ihres Außendienstes: Sie liegen fast nie ideal, ein Umzug steht aber selten zur Debatte. Gleichen Sie das über unterschiedlich große Gebiete aus, statt Wohnorte zu verplanen.

Legen Sie außerdem eine Obergrenze fest, wie viele Kunden insgesamt wechseln dürfen, und informieren Sie betroffene Kunden schriftlich.

Was ein Optimierungsalgorithmus leistet

Ein Optimierungsalgorithmus rechnet in kurzer Zeit einen guten Vorschlag, aber keinen fertigen Plan. Er gleicht Gebiete nach dem gewählten Kriterium aus, hält sie möglichst kompakt und lässt gesperrte Zuordnungen in Ruhe. Dabei arbeitet er mit Näherungsverfahren, worauf Softwarehersteller wie PTV in ihren Leistungsbeschreibungen selbst hinweisen. Das Ergebnis hängt von der Qualität Ihrer Daten, vom hinterlegten Straßennetz und von den Einstellungen ab.

Deshalb folgt auf jede Optimierung die Feinjustierung. Prüfen Sie den Vorschlag auf der Karte und gehen Sie ihn mit dem Außendienst durch. Dort weiß man, welcher Fluss keine Brücke hat, welcher Kunde nur vormittags empfängt und welche Grenze im Alltag keinen Sinn ergibt. Solche Korrekturen nehmen Sie von Hand vor. Bleiben Sie dabei sparsam: Werden zu viele Ausnahmen zugelassen, bleibt am Ende fast alles beim Alten, wie die GfK als typischen Fehler beschreibt.

Important

Eine Optimierung liefert einen Vorschlag, keinen fertigen Plan. Prüfen Sie jedes Ergebnis auf Plausibilität, bevor Sie es im Team vorstellen.

Gebiete verändern und optimieren in easymap

In easymap, dem Schwerpunkt unserer Beratung, sind beide Arbeitsweisen getrennt: „Gebiete verändern“ für Anpassungen von Hand, „Gebiete optimieren“ für automatische Verfahren. Laut Herstellerhilfe gilt:

  • Verändern: Sie kopieren Ihre Gebietsstruktur innerhalb der Kartenmappe und planen an der Kopie, der Ist-Zustand bleibt unberührt. Zuordnungen ändern Sie per Drag & Drop in Karte oder Tabelle, die Folgen für Umsatz und Potenzial sehen Sie sofort. Regionen lassen sich gegen manuelle und automatische Änderungen sperren.
  • Optimieren: Das Programm erzeugt eine komplett neue Einteilung, gleicht bestehende Gebiete aus oder bildet Gebiete um feste Standorte. Umgekehrt findet es passende Standorte zu bestehenden Gebieten.
  • Vergleichen: Über die Spalte „Liegt in“ sehen Sie, welche Kunden in einer neuen Struktur das Gebiet wechseln.

Planen und optimieren können Sie in easymap district manager und easymap professional. Die Edition easymap office öffnet und wertet fertige Gebietskarten aus, plant aber nicht. Das Video auf dieser Seite zeigt, wie Sie eine Gebietsstruktur von Hand anpassen. Weitere Details stehen unter Gebietsplanung mit easymap.

Neue Gebiete einführen

Die beste Rechnung nützt nichts, wenn das Team sie nicht mitträgt. In der GfK-Studie von 2017 sahen gut 65 % der Vertriebsverantwortlichen den Widerstand im eigenen Außendienst als größte Hürde einer Gebietsreform. Erklären Sie deshalb nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Weg: Wer die Szenarien gesehen hat, versteht, warum eine Grenze dort verläuft, wo sie verläuft. Bereiten Sie für jedes Gebiet eine Karte und eine Liste der Änderungen vor, führen Sie Einzelgespräche und passen Sie Ziele und Provisionen an die neuen Zuschnitte an. Legen Sie vor dem Beschluss fest, welche individuellen Änderungswünsche danach noch möglich sind, sonst zerfällt die neue Struktur schnell wieder in Kompromisse. Übernehmen Sie die Zuordnung danach ins CRM, damit Anfragen und Berichte stimmen. Nach etwa sechs Monaten vergleichen Sie Soll und Ist. Wie Sie die Einführung im Detail angehen, beschreibt die Seite Neue Gebiete einführen.

Video zum Thema

Gebietsstrukturen modifizieren – Das Video des Herstellers zeigt, wie Sie in easymap eine bestehende Gebietsstruktur von Hand anpassen: Gebiete verändern, Standorte verschieben und Namen ändern. Die Aufnahme stammt von 2021, die Oberfläche kann daher von der aktuellen Version abweichen. Video des Herstellers easymap. Es wird erst nach Klick von YouTube (youtube-nocookie.com) geladen; dabei überträgt Ihr Browser Daten an Google. Details in der Datenschutzerklärung.

Häufige Fragen

Wie viele Kunden wechseln bei einer Optimierung die Ansprechperson?

Das steuern Sie über Ihre Vorgaben. Je mehr Kunden und Flächen Sie sperren, desto weniger wechselt, desto kleiner fällt aber auch der Ausgleich aus. Einen festen Anteil gibt es nicht, er hängt davon ab, wie unausgewogen die Gebiete heute sind.

Können wir nur einzelne Gebiete umplanen?

Ja. Oft reicht es, zwei oder drei benachbarte Gebiete untereinander auszugleichen und alle anderen zu sperren. Prüfen Sie vorher, ob die Ursache wirklich örtlich begrenzt ist. Liegt sie in der gesamten Struktur, verschieben Sie das Problem sonst nur ins nächste Gebiet.

Was tun, wenn jemand aus dem Außendienst in den Ruhestand geht?

Sie haben zwei Wege: das Gebiet auf die Nachbargebiete aufteilen oder es neu besetzen. Rechnen Sie beide Wege als Szenario und vergleichen Sie Arbeitslast und Fahrzeit der Nachbarn. Soll das Gebiet neu besetzt werden, sucht die p17 Consulting GmbH auf Wunsch passende Fachkräfte, mehr dazu unter Neue Gebiete besetzen.

Was umfasst ein Gebietscheck?

Im Gebietscheck sehen wir uns Ihre heutigen Gebiete mit Ihren Daten an, zeigen Ungleichgewichte in Karte und Kennzahlen und sagen Ihnen offen, ob sich eine Umplanung lohnt. Der Check dauert [Dauer] und kostet [Preis]. Wie eine anschließende Umplanung als Projekt abläuft, beschreibt die Seite Beratung und Umsetzung.

Quellen

  • GfK GeoMarketing: Aktuelle Planungspraxis und Trends in der Vertriebssteuerung, Pressemitteilung zur Studie Gebietsplanung vom 07.03.2017 (152 Befragte, September 2015 bis August 2016)
  • GfK GeoMarketing: Praxiswissen Gebietsplanung – So funktioniert erfolgreiches Change Management, Broschüre, Juli 2013 (mit anonymisiertem Praxisbericht)
  • PTV AG: Leistungsbeschreibung PTV Map&Market/Planner 9.0, Produktblatt, um 2009/2010 (Hinweis auf Näherungsverfahren)
  • infas 360 GmbH: easymap-Hilfe, Gebietsorganisation, Seiten „Anlegen“, „Bewerten“, „Verändern“ und „Optimieren“, abgerufen am 16.10.2026
  • easymap (YouTube-Kanal des Herstellers): Video „Gebietsstrukturen modifizieren“, 4:31 Minuten, veröffentlicht am 21.10.2021

Zuletzt aktualisiert: · Benjamin Beloch, Geschäftsführer

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