- In Broschüren von GfK GeoMarketing wird ein Kundenbesuch im B2B-Außendienst je nach Branche mit durchschnittlich 120 bis 800 Euro beziffert, ohne Angabe zur Methode.
- Ihre eigenen Kosten je Besuch ergeben sich aus den Jahreskosten einer Person im Außendienst geteilt durch die Zahl ihrer Besuche im Jahr.
- Im Rechenbeispiel senkt ein halber Besuch mehr pro Tag die Kosten je Besuch um rund 9 %, bei zehn Personen entstehen so viele zusätzliche Besuche, wie eine weitere Person schafft.
- Die wichtigsten Hebel sind Gebietszuschnitt, Tourenplanung, Besuchsfrequenz, Übernachtungsregeln und digitale Kontakte für kleinere Kunden.
Was ein Kundenbesuch kostet: die Spanne aus der Literatur
Ein persönlicher Kundenbesuch gehört zu den teuersten Kontakten im Vertrieb, und die Kosten schwanken stark nach Branche. In Broschüren von GfK GeoMarketing („Praxiswissen Gebietsplanung“, um 2011 und 2013) wird ein Besuch im B2B-Außendienst je nach Branche mit durchschnittlich 120 bis 800 Euro beziffert. Wie diese Werte ermittelt wurden und auf welches Jahr sie sich beziehen, steht dort nicht. Die Spanne taugt also als grobe Orientierung, nicht als Vergleichswert für Ihr Unternehmen.
Ein großer Kostentreiber ist die Fahrzeit. Nach Angaben des Herstellers PTV (Pressemitteilung von 2013) entfällt im Außendienst rund die Hälfte der Arbeitszeit auf das Fahren. Auch hier fehlt eine Angabe zur Methode, und die Zahl ist über zehn Jahre alt. Sie macht aber verständlich, warum schon kleine Verbesserungen bei Gebieten und Touren spürbar werden: Jede Stunde Fahrt ist eine bezahlte Stunde ohne Kundenkontakt.
Verlässlicher als jede fremde Zahl ist Ihre eigene Rechnung. Das folgende Beispiel zeigt, wie sie aufgebaut ist und welche Posten hineingehören.
Rechenbeispiel: Kosten je Besuch selbst ermitteln
Die Kosten je Besuch ergeben sich aus den Jahreskosten einer Person im Außendienst geteilt durch die Zahl ihrer Besuche im Jahr. Die Werte in der Tabelle sind frei gewählte Annahmen für ein B2B-Unternehmen; setzen Sie Ihre eigenen ein.
| Posten | Annahme | Wert |
|---|---|---|
| Personalkosten | Gehalt, variable Vergütung, Arbeitgeberanteile | 95.000 € pro Jahr |
| Fahrzeug | Leasing, Kraftstoff, Versicherung, Wartung | 15.000 € pro Jahr |
| Spesen und Übernachtungen | Hotel, Verpflegung, Parken | 8.000 € pro Jahr |
| Arbeitsmittel | Tablet, Telefon, Software, Weiterbildung | 4.000 € pro Jahr |
| Summe | 122.000 € pro Jahr | |
| Außendiensttage | nach Urlaub, Feiertagen, Innendienst, Messen | 200 Tage |
| Kosten je Außendiensttag | 122.000 € geteilt durch 200 Tage | 610 € |
| Besuche pro Tag | Durchschnitt | 5 |
| Kosten je Besuch | 610 € geteilt durch 5 Besuche | 122 € |
Ein Tag mit fünf Besuchen hat in diesem Beispiel neun Stunden: fünf Stunden beim Kunden, drei Stunden Fahrt und eine Stunde für Vor- und Nachbereitung. Das Ergebnis von 122 Euro liegt am unteren Rand der GfK-Spanne. Das liegt auch daran, dass Gemeinkosten fehlen, etwa für Vertriebsleitung, Innendienst, Messen und Marketing. Wer sie anteilig einrechnet, kommt schnell auf deutlich höhere Werte.
Was kleine Verbesserungen bewirken
Schon kleine Veränderungen im Tagesablauf wirken sich deutlich auf die Kosten je Besuch aus, weil sie sich über 200 Tage summieren. Die Tabelle rechnet zwei Hebel mit den Werten von oben durch, einmal für eine Person und einmal für ein Team von zehn Personen.
| Hebel | Wirkung je Person und Jahr | Wirkung bei zehn Personen |
|---|---|---|
| 0,5 Besuche mehr pro Tag (5,5 statt 5) | 100 Besuche mehr; Kosten je Besuch sinken von 122 € auf rund 111 € | 1.000 Besuche mehr, so viele wie eine weitere Person im Jahr schafft |
| 30 Minuten weniger Fahrzeit pro Tag | 100 Stunden, also rund 11 Außendiensttage; Zeitwert rund 6.800 € | 1.000 Stunden; Zeitwert rund 68.000 € |
| dazu weniger Kilometer (50 km/h, 0,25 € variable Kosten je km) | 5.000 km, rund 1.250 € | 50.000 km, rund 12.500 € |
Der Zeitwert ergibt sich aus 610 Euro je Tag geteilt durch neun Stunden, also rund 68 Euro je Stunde. Die Kilometerkosten enthalten nur Kraftstoff und Verschleiß, nicht Leasing und Versicherung, die ohnehin anfallen.
Note
Gewonnene Zeit ist erst dann gespartes Geld, wenn sie genutzt wird: für zusätzliche Besuche, für Akquise oder weil eine frei werdende Stelle nicht nachbesetzt werden muss.
Fünf Kostenhebel im Außendienst
Die Kosten je Besuch sinken, wenn mehr Besuche in dieselbe Zeit passen oder wenn weniger teure Besuche nötig sind. Fünf Hebel tragen dazu bei:
- Gebiete: Kompakte Gebiete, in denen der Wohnort nahe am Schwerpunkt der Kunden liegt, verkürzen jede Tour. Ein Gebiet mit doppelt so viel Fläche wie seine Nachbarn kostet täglich Fahrzeit. Wie Sie bestehende Gebiete ausgleichen, steht unter Vertriebsgebiete optimieren.
- Touren: Eine gute Reihenfolge und Kunden, die in derselben Woche nah beieinander liegen, sparen Kilometer. Details unter Tourenplanung im Außendienst.
- Besuchsfrequenz: Wer C-Kunden so oft besucht wie A-Kunden, zahlt für Besuche, die wenig Umsatz bringen. Die Besuchsplanung nach Kundenwert legt fest, wer wie oft an der Reihe ist.
- Übernachtungen: Eine Übernachtung kostet Hotel und Spesen, spart aber die Heimfahrt am Abend und die Anfahrt am nächsten Morgen. In weitläufigen Gebieten kann sie günstiger sein als zweimal zwei Stunden Fahrt. Rechnen Sie beides mit Ihren Werten durch und legen Sie eine klare Regel fest.
- Digitale Kontakte für C-Kunden: Telefon, Videogespräch, Webshop oder eine feste Ansprechperson im Innendienst können einen Teil der Besuche bei kleineren Kunden ersetzen. Der Außendienst gewinnt Zeit für A- und B-Kunden und für Neukunden.
Grenzen der Rechnung
Die Kosten je Besuch sind eine nützliche Kennzahl, aber sie erzählen nur die halbe Geschichte. Ein Besuch für 122 Euro, aus dem ein Auftrag über 20.000 Euro entsteht, ist günstig. Ein Besuch für 90 Euro ohne jedes Ergebnis ist teuer. Stellen Sie den Kosten deshalb immer den Wert gegenüber, etwa den Deckungsbeitrag je Kunde oder den Umsatz je Besuchstag.
Drei weitere Grenzen sollten Sie kennen:
- Fixkosten bleiben: Gehalt und Leasing fallen auch an, wenn ein Besuch ausfällt. Kurzfristig sparen Sie vor allem Kraftstoff und Spesen, der größere Effekt entsteht über mehr Besuche in derselben Zeit.
- Mehr Besuche sind nicht immer besser: Wer die Besuchsdauer kürzt, um mehr Besuche zu schaffen, senkt die Kosten je Besuch, vielleicht aber auch die Qualität der Gespräche.
- Annahmen bleiben Annahmen: Das Rechenbeispiel zeigt die Logik, nicht Ihre Zahlen. Wo Einsparungen realistisch sind, zeigt erst ein Vergleich mit Ihrem Ist-Zustand.
So prüfen Sie Ihr Einsparpotenzial
Ein Einsparpotenzial lässt sich mit überschaubarem Aufwand schätzen, wenn Sie zuerst messen und dann rechnen. Erfassen Sie einige Wochen lang Besuche pro Tag, Kilometer je Besuch und den Anteil der Fahrzeit. Vieles davon steckt bereits in CRM, Fahrtenbuch und Reisekostenabrechnung. Berechnen Sie dann Ihre Kosten je Besuch nach dem Schema oben und vergleichen Sie die Gebiete miteinander. Große Unterschiede zwischen ähnlichen Gebieten zeigen, wo ein Hebel ansetzt.
Die p17 GmbH unterstützt Sie dabei in der Rolle, die Sie brauchen. Im Mitdenken prüfen wir Ihre Rechnung und stellen die unbequemen Fragen. Im Umsetzen übernehmen wir Datenaufbereitung, Auslastungsrechnung und Szenarien als Projekt mit festem Umfang. Im Verstärken bereiten wir auf Zeit gemeinsam mit Ihrem Innendienst die Daten auf, wenn dort die Kapazität fehlt. Mehr dazu unter Beratung und Umsetzung.
Häufige Fragen
Wie messe ich die heutige Fahrzeit im Außendienst?
Gute Quellen sind Fahrtenbücher, Besuchsberichte mit Uhrzeiten im CRM oder ein Zeitprotokoll über zwei bis vier Wochen. Telematik im Fahrzeug liefert genaue Werte, berührt aber den Datenschutz und braucht gegebenenfalls die Zustimmung des Betriebsrats. Für eine erste Schätzung reichen oft schon die gefahrenen Kilometer je Besuch im Vergleich der Gebiete.
Lohnt sich Planungssoftware auch für ein kleines Außendienstteam?
Das lässt sich mit dem Rechenbeispiel abschätzen. Bei drei Personen und einem halben Besuch mehr pro Tag kommen im Jahr 300 Besuche zusammen. Diesem Wert stellen Sie Lizenz, Einführung und Schulung gegenüber. Für kleine Teams reicht oft zunächst eine gute Gebietsplanung, die Tourenplanung kann später dazukommen. Die Abwägung beschreibt die Seite Gebietsplanung mit Excel oder mit Software.
Können digitale Kontakte persönliche Besuche ganz ersetzen?
Bei kleineren Kunden mit Standardbedarf oft zu einem guten Teil, bei wichtigen Kunden selten. Persönliche Besuche bleiben dort wichtig, wo beraten, verhandelt oder eine Beziehung gepflegt wird. Sinnvoll ist eine feste Regel je Kundenklasse, damit der Wechsel zu Telefon oder Video nicht dem Zufall überlassen bleibt.
Wie oft sollten wir die Kosten je Besuch berechnen?
Einmal im Jahr reicht, am besten zusammen mit der Jahresplanung. Wichtiger als die absolute Zahl sind die Entwicklung über die Jahre und der Vergleich zwischen Gebieten. Für die laufende Steuerung eignen sich Besuche pro Tag und Kilometer je Besuch besser, siehe Außendienststeuerung mit Kennzahlen.
Quellen
- GfK GeoMarketing: Praxiswissen Gebietsplanung – So funktioniert erfolgreiches Change Management, Broschüre, Juli 2013
- GfK GeoMarketing: Praxiswissen Gebietsplanung, Broschüre mit Phasenplan, ohne Datum (um 2011)
- PTV Planung Transport Verkehr AG: Pressemitteilung zu PTV Map&Market 2013 vom 10.09.2013 (Herstellerangabe)
- Rechenbeispiele: eigene Berechnung der Redaktion mit frei gewählten Annahmen
Zuletzt aktualisiert: · Benjamin Beloch, Geschäftsführer